Responsibility Process

Was Du über Führung und Verantwortung weißt wird auf den Kopf gestellt

Niemand denkt über die eigene Verantwortung nach, solange alles gut läuft. Wenn etwas schief geht, groß oder klein (z.B. verlorene Schlüssel oder eine vergessene Rechnung) beginnt der Verantwortungsprozess. Der aus Studien abgeleitete „Responsibility Process“ zeigt, wie Menschen ihre Gedanken zur Vermeidung oder Übernahme von Verantwortung mental verarbeiten. Im September 2016 wurde das gleichnamige Buch von Christopher Avery veröffentlicht. Er beschäftigt sich darin mit den mentalen Prozessen und Strategien persönlicher Verantwortungsübernahme und -übertragung. Der „Responsibility Process“ ist ein anschauliches und praxistaugliches Modell zur Selbst-Reflexion und Anwendung. Darüber hinaus bietet er einen Rahmen für Einzelpersonen, Teams und Organisationen sich weiter zu entwickeln. Es ist das erste Modell, um persönliche Verantwortung zu übernehmen, zu lehren und zu inspirieren.

Der Responsibility Process nach Christopher Avery

Responsibility Process

Der „Responsibility Process“ in Anlehnung an Christopher Avery (2016)

Verantwortung ist nach Avery nicht nur ein Charakterzug, sondern ein mentaler Prozess, der in allen Menschen gleich abläuft. Der Prozess kann beobachtet, gelernt, gelehrt, studiert, entwickelt, modelliert und geübt werden. Jede Einzelperson, jedes Team und jede Organisation kann Verantwortung auf immer höheren Ebenen praktizieren. Der Verantwortungsprozess ist am nützlichsten, wenn er selbst angewendet wird. Es geht nach hinten los, wenn er benutzt wird, um anderen die Schuld zuzuschieben.

Veränderung als Grundeinstellung

Alles, dem wir uns widersetzen, bleibt bestehen. Meister der Verantwortung kämpfen demzufolge nicht gegen das, was sie nicht mögen und nicht wollen. Das erschafft und zieht mehr davon an. Stattdessen identifizieren die Verantwortlichen, was sie wollen und bewegen sich darauf zu. Grundlegend müssen wir für Veränderung folgende Haltung einnehmen:

INTENTION – Die Absicht, aus Verantwortung zu reagieren, wenn etwas schief geht.

AWARENESS – Rufe dir deinen aktuellen mentalen Zuständen von Verleugnung, Schuldzuweisung, Rechtfertigung, Scham, Verpflichtung und Aufhören ins Bewusstsein.

CONFRONT – Sich selbst reflektieren. Was ist wahr? Was kann ich lernen, korrigieren oder verbessern?

Um zu verstehen was in den einzelnen Phasen passiert und wir du ihnen entgegentreten kannst, lassen sich diese grundlegenden Haltungen auf die einzelnen Phasen übertragen.

Die einzelnen Phasen verstehen und meistern

Ausstieg

Der Ausstieg ist eine Phase, in der der Schmerz der Scham oder Verpflichtung unerträglich ist. Demzufolge findest du dich hier wieder, wenn Du etwas Hartes vor Dir hast, doch anstatt das eigentliche Problem zu finden und Dich ihm zu stellen, fliehst Du. Vermeiden heißt nicht lernen und das Problem aufzuschieben. Weigere dich, das Problem zwischen zu parken. Erkenne die Anzeichen, dass Du ein Problem vermeidest oder versuchst ihm zu entkommen. Oft ist es einfach nur eine Frage der Unsicherheit. Konfrontiere dich selbst.

Verleugnung

Ist die Ignoranz gegenüber etwas Existierendem. Es ist das Gegenteil von Fokus, Bewusstsein oder Aufmerksamkeit, also hinterfrage deine Ignoranz.

Beschuldigung

Du richtest deinen Ärger und deine Angst auf eine Person. Es ist eine Opfer-Mentalität, somit gibst du deine Macht einem Anderen. Die Gründe liegen außerhalb von dir selbst, ausgelöst durch Emotionen (Angst vor einem Problem), nicht durch den Intellekt.
Weigere dich deshalb, einem Anderen die Schuld zu geben. Damit sich Dinge ändern; musst zuerst Du dich ändern.

Rechtfertigung

Du gibst nicht mehr den Menschen die Schuld, sondern den Umständen. Du glaubst, dass Du das Opfer der Situation bist. Damit das Problem verschwindet, müssen sich die Umstände ändern. Weigere dich, deine eigene Geschichte zu glauben und rufe dir deren Inhalt ins Bewusstsein. Erkenne, dass du dich als machtlos positionierst.

Scham

Jetzt bist du selbst das Problem. Du gibst Dir selbst die Schuld. Dein Fokus richtet sich nach Innen. Unsere Kultur belohnt Scham, aber es ist falsche Verantwortung, denn Du hast immer noch das Problem und die Angst davor. Hör auf, dich selbst zu quälen. Erinnere dich daran, dass Sie das Problem nicht von diesem Geisteszustand aus lösen werden.

Verpflichtung

Du fühlst dich gefangen oder belastet in deinem Leben, deiner Arbeit oder deinen Beziehungen. Das heißt, du musst etwas tun, was du nicht tun willst (Aktion) oder jemand sein, der du nicht sein willst (Identität). In diesem Rahmen werden die klügsten und ehrgeizigsten Menschen gefangen gehalten. Unsere kulturelle Trance bestätigt, dass die Einhaltung unserer Verpflichtungen eine gute Sache ist, auch wenn es uns nicht gefällt. Gute, verantwortungsbewusste Menschen tun, was sie tun sollen: „Tu es einfach“, „Hör auf zu jammern“, „Tu das Richtige“.
Lass dich nicht gefangen nehmen und erkenne die Signale: geringe Motivation, geringes Engagement, Ressentiments, Zynismus und Sarkasmus.

Verantwortung

Jetzt besitzt du die Macht und Fähigkeit zu entscheiden, zu erschaffen und zu erobern.

Entscheidung: Du kannst deine Wünsche und Bedürfnisse durch Präferenzen und durch die Identifizierung von Optionen oder Entscheidungen erkennen und ausdrücken.
Es geht um die innere Erfahrung von Freiheit, Macht und Entschidung. Sicherheit ist notwendig, um Unsicherheiten mit Mut zu begegnen. Vertraue darauf, dass du über genügend Intelligenz, Kreativität und Ressourcen verfügst, um sich allem zu stellen, was das Leben bringt.
Hast du diesen mentalen Zustand der Verantwortung erreicht darf gerne gefeiert werden, damit Du immer wieder dorthin zurückkehren kannst.

Du willst mehr erfahren? Das Buch The Responsibility Process: Unlocking Your Natural Ability to Live and Lead with Power von Christopher Avery findest du auf Amazon

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