Der Köhler-Effekt tritt auf, wenn eine Person als Mitglied einer Gruppe härter arbeitet, als wenn sie alleine arbeitet. Es gibt viele Aufgaben, bei denen eine schlechte Leistung eines einzelnen Mitglieds für eine schlechte Gruppenleistung sorgen kann; Sozialpsychologen bezeichnen sie als konjunktive Gruppenaufgaben. Zum Beispiel kann ein Bergsteigerteam, das zusammengespannt ist, nicht schneller klettern als der langsamste Kletterer der Gruppe. Beim Köhler-Effekt neigen die weniger fähigen Mitglieder, die „schwachen Glieder“, dazu, sich gerade bei solchen konjunktiven Aufgaben besonders anzustrengen. Zum Beispiel sollte ein langsamer Kletterer härter und schneller klettern. Wenn er mit schnelleren Kletterern zusammengebunden ist, als wenn er alleine klettert.

Entdeckung

Der Köhler-Effekt wurde erstmals von dem deutschen Arbeitspsychologen Otto Köhler in den 1920er Jahren beschrieben. Er bat die Mitglieder eines Berliner Rudervereins, eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Sie sollten Standcurls mit einem schweren Gewicht machen, bis sie so erschöpft waren. Manchmal machten sie das alleine, manchmal in Zweier- oder Dreiergruppen. Wenn sie in Gruppen arbeiteten, hielten sie eine einzelne beschwerte Stange. Die Stange war bei Zweiergruppen doppelt so schwer und bei Dreiergruppen dreimal so schwer. Die Gruppenaufgabe war also konjunktiv. Sobald ein Gruppenmitglied aufhörte, konnte der Rest der Gruppe nicht mehr lange weitermachen. Köhler fand heraus, dass die Gruppen länger durchhielten, als ihre schwächsten Mitglieder als Einzelpersonen durchgehalten hatten. Dieser überraschende Motivationsgewinn war am größten, wenn die Mitglieder der Gruppen sich in ihren Fähigkeiten mäßig unterschieden. Wenn der Unterschied in den Fähigkeiten sehr klein war, oder wenn er sehr groß war, war der Motivationsgewinn nicht so groß.

Ursachen

Viele Forschungen deuten darauf hin, dass der Köhler-Effekt mindestens zwei Ursachen haben kann. Zum einen der Prozess des sozialen Vergleichs und zum anderen die Effekte der Unentbehrlichkeit einzelner Mitglieder für die Gruppe.  Es kann ausreichen, wenn man erfährt, dass andere bessere Leistungen erbringen als man selbst, um die Bemühungen des Einzelnen zu steigern. Solche aufwärts gerichteten sozialen Vergleiche können eine Person dazu bringen, sich ein höheres Leistungsziel zu setzen. Es kann auch als Erinnerung an einige der Stigmata dienen, die denen anhaften, die weniger fähig sind. Zweitens kann das Wissen, dass eine Arbeitsgruppe von der eigenen Leistung abhängt, die eigenen Anstrengungen motivieren. Beide Prozesse scheinen unabhängig voneinander zum gesamten Köhler-Effekt beizutragen. Bestimmte Eigenschaften der Gruppen-Leistungssituation und der Gruppenmitglieder selbst können ihre relative Bedeutung beeinflussen.

Motivation

Wie Köhler in seiner ursprünglichen Arbeit zeigte, ist der Motivationsgewinn am größten, wenn die Fähigkeiten der Mitglieder nur mäßig unterschiedlich sind. Diese Tatsache scheint vor allem auf den Mechanismus des sozialen Vergleichs zurückzuführen zu sein. Zum Beispiel wird eine Person aufhören, sich mit anderen zu vergleichen, wenn die anderen viel fähiger sind als der Vergleichende, weil die Aufgabe, sich anzupassen oder zu konkurrieren, unerreichbar erscheint. Der Mechanismus der Unentbehrlichkeit scheint für Frauen wichtiger zu sein, während der Mechanismus des sozialen Vergleichs für Männer relativ wichtiger zu sein scheint. Es wurde vermutet, dass diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sorge um andere und um Beziehungen (bei Frauen stärker) gegenüber dem sozialen Status und der Dominanz (bei Männern stärker) widerspiegeln.

 

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