Wie wir alle wissen, ist die Aufgabe des Scrum Masters eine große Herausforderung. Eine der größten Herausforderungen ist es, alte und eingefahrene Denkweisen aufzubrechen. Eine der wichtige Rolle, die der Scrum Master übernehmen kann ist die des agilen Champion. Dieses Rolle kann aber grundsätzlich von jedem Mitarbeiter angenommen werde. Sie bildet den Ausgangspunkt der agilen Transformation und ist hauptverantwortlich in der Zusammenstellung eines Transformationsteams.

Change beginnt beim Agile Champion

Ein einzelnes Individuum, ein Champion, sieht die Notwendigkeit von Veränderungen und glaubt leidenschaftlich an die Umsetzung und ist bereit, für diese Idee zu kämpfen. Diese Person kann überall in der Organisation sein. Meistens übernimmt die Rolle ein Scrum Master, da dieser methodisch am besten ausgebildet ist und inherent für das Thema brennt. Es ist jedoch doch auch möglich, dass es jemand im mittleren Management ist. Veränderung beginnt, wenn dieser Mensch Verantwortung für die Zukunft übernimmt und entscheidet, dass bestimmte Dinge geschehen müssen und bereit ist, sie zu verwirklichen. Es beinhaltet den Mut, die Wahrheit zu sagen und wird eher Ausdauer als Geduld erfordern. Es braucht Dringlichkeit, Antrieb, Leidenschaft, Energie und die Fähigkeit, Begeisterung zu wecken. Außerdem der Realismus, das Ausmaß der Aufgabe und die Zeit, die sie voraussichtlich in Anspruch nehmen wird, zu erkennen.

Organische Veränderung

Die Veränderung muss organisch erfolgen. Eine Person beginnt mit anderen Menschen zu sprechen und sie zu inspirieren Diese benötigen wiederum den Mut, die Entschlossenheit und die Kommunikationsfähigkeiten, um neue Gruppen von Menschen zu inspirieren. Im Gegenzug werden sie zu Champions und inspirieren andere. Ein agiler Champion braucht agile Anhänger. Eine kleine Gruppe wird benötigt, die die Leidenschaft und die Vision teilt. Repräsentative Leistungen bringt den Job nicht zu Ende. Die Anhänger müssen kreativ und energisch sein und sich gegenseitig vertrauen. Die Idee des Wandels selbst wird sich ständig weiterentwickeln. Es geht hier nicht darum, eine Vision zu entwerfen und dann in der gesamten Organisation einzuführen. Dies ist kein mechanisches achtstufiges Programm. Es geht darum, die Idee kontinuierlich an die sich verändernden Gegebenheiten des Unternehmens anzupassen.

Veränderung aus Leidenschaft

Der Veränderungsprozess wird auf menschlicher Leidenschaft beruhen. Ein fester Glaube an die Klarheit und den Wert der Idee und den Mut, aufzustehen und dafür zu kämpfen. Kein Template oder detaillierter Rollout-Plan kann die Energie, Leidenschaft und Begeisterung wecken, die erforderlich ist, um einen tiefen Wandel herbeizuführen. Die meisten der Utensilien der Top-Down-Veränderungsprogramme werden tatsächlich kontraproduktiv für eine authentische Umsetzung sein und einen tiefgreifenden Widerstand gegen den Wandel erzeugen. Es wird fokussierte, disziplinierte Leidenschaft sein mit einem strengen Fokus auf das Ziel und die anhaltende Wachsamkeit, um die Verbreitung von Energie in verwandte oder alternative Ziele zu verhindern. Die erzielten Fortschritte werden bewertet und auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse angepasst. Es wird systematisches Feedback darüber geben, welcher Mehrwert erzielt wird. Es gilt Freiheit innerhalb klar abgegrenzter, einstellbarer Grenzen zu schaffen.

Externe Hilfe optional

Intellektuelle Energie wird durch kognitive Vielfalt und Interaktionen mit Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Sichtweisen auf die Welt erzeugt. Gleichzeitig ist es ebenso gefährlich, externen Ratschlägen sklavisch zu folgen und andere die Veränderung diktieren zu lassen. Die externe Beratung wird entgegengenommen, bewertet und an die lokalen Bedürfnisse angepasst. Im Zuge der Anpassung wird die Idee zum Eigentum. Die Dinge werden nicht nur deshalb getan, weil Außenstehende das sagen, sondern auch, weil sie für diesen Kontext Sinn machen. Die Idee muss als wichtiger angesehen werden als jedes Individuum. Top-down-Veränderungsprogramme sterben in der Regel, wenn der Manager ausscheidet. Der Ersatzmanager ist ein neuer Besen, der das Bisherige sauber kehrt. Im Gegensatz dazu, wenn eine Veränderung organisch eingetreten ist, lebt die Idee weiter, weil sie im Besitz einer Vielzahl von Menschen ist.

Agile Rollen

Was sind wirklich die Eigenschaften eines wahren Champions und gibt es eine andere Art von agilen Persönlichkeiten und Rollen, die wir oft um uns herum finden?

Agile Champions

Agile ChampionsAusgestattet mit dem Scrum Basics Guide, dem agilen Manifest und viel gesundem Menschenverstand verbreiten diese unermüdlichen Helden der Arbeit die agilen Praktiken im Unternehmen. Agile Champions sind diejenigen, die die Grenzen einer Organisation erweitern oder sogar überschreiten und ständig versuchen, bessere Wege der Zusammenarbeit mit anderen um ihn herum zu finden. Agile Champions sind Meister darin, die Praktiken an ihre Umgebung anzupassen und die wichtigsten Prinzipien klar im Kopf zu haben. Ihre Kaizen-Mentalität reicht kontinuierlich in Richtung persönlicher Verbesserung. Sie sind bereit, die Arbeitsweisen, die sie selbst angewendet haben, ständig in Frage zu stellen. Hinter allen erfolgreichen agilen Transformationen steht ein Champion, auch wenn sie mit diesem Namen nicht bekannt wären.

Agile Anhänger

Wenn der Agile Champion der Kern der agilen Transformation ist, sind agile Anhänger das Fundament. Agile Anhänger sind Personen arbeiten gerne agil und sprechen sich oft dafür aus. Sie sind aber nicht daran interessiert, tiefer in die Materie einzudringen und nicht in einem solchen Maße dafür zu kämpfen, dass sie zu Agile Champions werden. Die meisten Entwickler, die mit agilen Praktiken in beliebigen Rollen arbeiten, können als Follower betrachtet werden. Die Aufgaben eines Agilen Champions ist es agile Anhänger um sich herum zu versammeln und daraus ein starkes Team zu generieren, dass die Transformation als Multiplikator implementiert.

Mehr zum Thema Teambuilding findest du unter anderem im Artikel Teamrecruiting: Bescheiden, Hungrig und Intelligent [link] und vielen weiteren.

Agile Propheten

Agile Propheten sind einer der engagiertesten Verbreiter ihrer gewählten Methodik und Praktiken. Sie werden leidenschaftlich anderen von der richtigen Art und Weise predigen, oft auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrung. Agile Propheten unterscheiden sich von einem Agile Champion, indem sie sich einer kontinuierlichen Verbesserung verschließen. Sie sind oft defensiv gegenüber Digen eingestellt, die ihren bevorzugten Ansatz gefährdet und behindern deshalb oft den Wandel. Agile Propheten sind oft sehr sachkundige und extrem gute Mentoren. Sie entwickeln sich meist aus agilen Champions, die entweder ihren Kontakt zur täglichen Arbeit mit agilen Praktiken verloren haben oder ihre persönliche Weiterentwicklung vergessen haben.

Agile falsche Propheten

Ein agiler falscher Prophet teilt viele Dinge mit dem agilen Propheten. Sie sind sehr leidenschaftlich und engagiert in spezifischen Methoden oder Praktiken. Agile Propheten finden sich oft in Unternehmen, die sich in einer agilen Transformation befinden. Sie erwachsen, wenn ein Mitarbeiter zum Agile Champion ernannt wird, ohne durch Erfahrung in diese Rolle hineinwachsen zu können. Falschpropheten unterscheiden sich von den Propheten demgemäß dadurch, dass sie keine wirkliche Erfahrung mit agilen Praktiken haben. Sie versuchen stattdessen, durch theoretisches Wissen zu überzeugen.

Agile Antihelden

Der Titel der berüchtigsten agilen Persönlichkeit ist der agile Antiheld. Die meisten der Agile Champions haben es im Laufe ihres Lebens mit einem agilen Antiheld zu tun. Diese haben sich entschieden, „agil zu sein“, nur weil sie es als Deckmantel für einen anderen ihrer persönlichen Ziele verwenden können oder um ihre persönliche Inkompetenz zu verbergen. Sie beschließen, eine Expertenposition einzunehmen, ohne den echten Wunsch nach vertieftem Wissen oder inherenten Verbesserungen zu haben. Agile Antihelden können auch aus den Agile Champions erwachsen. Am Anfang gehen sie den Weg des Champions, aber nachdem sie einen bestimmten Status und eine bestimmte Macht in ihrer Umgebung erreicht haben, geben sie die Transformation auf und fixieren sich auf ihren persönlichen Vorteil. Sie sind nicht wirklich daran interessiert, die Dinge positiv für die Organisation zu ändern, sondern konzentrieren sich ausschließlich darauf, ihre eigene Schwäche zu decken.

Agile Champions aufbauen

Das Wachsen und Kultivieren von Agile Champions ist eine der wichtigsten Praktiken bei der Gestaltung von Umgebungen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes die Kultivierung von Bedingungen, im Sinne des tatsächlichen menschlichen Verhaltens und Handelns, in denen agile Praxis in der Organisation organisch blühen und Früchte tragen kann.

Sichtbar machen

Unternehmen müssen Events schaffen, bei denen interessierte Mitarbeiter die Prinzipien von Agile kennenlernen. Insbesondere diejenigen, die nicht in agilen Teams arbeiten, aber neugierig auf agile Methoden sind. Zu solchen Veranstaltungen gehören 90-minütige agile Orientierungen, 60-minütige Scrum-, XP- und Kanban-Spiele oder andere Großgruppenveranstaltungen.

Mehr zu Großgruppenveranstaltungen findest du in den Artikeln World Café [link], Open Space [link] und Future Search [link]

Identifizieren

Unternehmen müssen nach Personen Ausschau halten, die besonders an agilen Methoden interessiert sind. Das sind die Menschen, die während einer Veranstaltung oder im Anschluss Fragen stellen. Ihre Kommentare und Überlegungen während einer Veranstaltung scheinen richtig zu sein.  Oder manchmal sieht man einfach nur ein Funkeln in ihren Augen, was darauf hindeutet, dass etwas sie wirklich berührt oder inspiriert hat.

Verbinden/Freigeben

Ein Austausch mit diesen Personen ist unumgänglich. Man muss herausfinden, was sie über Agile denken und was in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich relevant sein könnte. Diese Personen müssen langfristig in den Transformationsprozess involviert werden.

Aufgaben des Agile Champion

Agile Champions sind Einzelpersonen aus verschiedenen Teilen der Organisation, die möglicherweise in agilen Teams arbeiten. Mit ihrer Leidenschaft für agile Transformation und ihren Fähigkeiten oder Verbindungen bringen sie agiles Denken und Können in ihren jeweiligen Arbeitsbereich. Diese müssen als erste identifiziert werden, um ein Team aufzubauen, das die unternehmensweite Transformation treibt und diese Teammitglieder ebenfalls zu agilen Champions auszubilden. Der Agile Champion übernimmt im Transformationsteam den Äquivalenzpart zu einem Scrum Master in einem agilen Team.

Das Implementierungsteam

Die gleichen Talente und die gleiche Infrastruktur, die auch für den laufenden Betrieb eines Unternehmens eingesetzt werden, sind wahrscheinlich nicht für eine digitale und vernetzte Zukunft geeignet. Organisationen benötigen daher Mitarbeiter mit neuen Fähigkeiten wie Machine Learning und Data Science. Unternehmen müssen ihre Infrastruktur anpassen, um die Werkzeuge bereitzustellen, die Mitarbeiter benötigen, um in eine digitale Welt zu wachsen. Das Team sollte hochrangige Mitglieder aus dem Unternehmen umfassen. Es ist eine gute Idee, Mitglieder aufzunehmen, die Erfahrung im agilen Projektmanagement haben. Die Führung sollte auch den Mitgliedern des agilen Implementierungsteams spezifische Rollen und Verantwortlichkeiten zuweisen. Die Herausforderung besteht darin, dass das Team zudem klein genug bleiben muss, um als Arbeitseinheit wirklich effektiv zu sein, also zwischen 5-7 Personen.

Ressourcen

Es ist wichtig, dass Organisationen ihrem Transformationsteam ausreichende Ressourcen, einschließlich Geld und Zeit, zur Verfügung stellt. Der vielleicht effektivste Weg, um Vertrauen und ein gemeinsames Engagement aufzubauen, ist die Zusammenarbeit. Es klingt offensichtlich, aber hier stolpert die Agile Transformation oft, bevor sie überhaupt vollständig begonnen hat. Häufig bilden Führungskräfte Teams aus Menschen, die Lust auf Veränderung, aber keine echte Macht und keine echten Ressourcen haben. Dafür muss genügend Zeit und Raum zur Verfügung stehen. Das bedeutet auch, Einzelne von bestehenden Verpflichtungen zu befreien. Das Team wird wenig erreichen, wenn zu den bestehenden Arbeitsplätzen lediglich das Element „Agil“ hinzugefügt wird.

Teambuilding

Es sollten mehrere Ebenen des Unternehmens vertreten sein. Mitarbeiter mit Energie und Ehrgeiz ergänzen diejenigen, die bereits über beträchtliche Macht und Einfluss verfügen. Relevante Fachkenntnisse aus verschiedenen Geschäftsbereichen sollten zusammengetragen werden. Das Team sollte man jedoch nicht nur auf Enthusiasten beschränken. Menschen einzubeziehen, die in der Lage sind, Nein zu sagen, können Barrieren abbauen.

Mehr zum Thema Teambuilding findest du unter anderem im Artikel Teamrecruiting: Bescheiden, Hungrig und Intelligent [link] und vielen weiteren.

Prozesse

Unternehmen sollten sich keine sorgen um Prozesse machen, sondern Mitarbeiter stärken. Großartige Mitarbeiter mit dem richtigen Training haben verstehen die Strategie und entwickeln den richtigen Ansatz zur Umsetzung.

Agile Champion als Scum Master Multiplikator

Die Hauptaufgabe des Agile Champions ist es ein schlagkräftiges Transformationsteam auf die Beine zu stellen. Die Mitglieder kümmern sich vorrangig um die Themen die zu einer agilen Transformation im unternehmen beitragen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es , die Teilnehmer agil auszubilden. Mitglieder des Transformationsteams mischen sich dann in verschiedenen Rollen in Scrum Teams und übernehmen in Community of Practice veranstaltungen eine Entscheidende Rolle.

Wie ein agiler Champion geeignete Personen für ein Transformationsteam auswählst liest du im Artikel Teamrecruiting: Humble, Hungry, Smart [link]

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